Gerade hatte ich eine der letzten Besprechungen mit meiner Lektorin, und ich empfinde echte, wahrhaftige Dankbarkeit! Es ist heutzutage sehr selten, so viel Vertrauen geschenkt zu bekommen, wie ich es in den letzten Monaten erleben durfte. Ich bin keine bekannte Pädagogin, habe keine Instagram-Reichweite, und dennoch bekomme ich die Chance zu veröffentlichen! Ich erhalte die Möglichkeit, gehört, gesehen und gelesen zu werden. Es war nie meine Absicht, etwas zu publizieren, aber ich hatte immer den Wunsch, etwas beizutragen. Beizutragen dazu, wie wir in der Schule auf die Kinder und Jugendlichen blicken. Beizutragen dazu, wie die Kinder selbst befähigt werden, mit ihrer Gefühlswelt und ihren Bedürfnissen umzugehen. Denn das ist es doch, was uns ausmacht und worauf wir aufbauen können!
Als ich im Januar 2023 Frau Sonnenberg anschrieb und fragte, ob sie die Gefühls- und Bedürfniskarten schön und ansprechend gestalten könnte, die ich zusammengeschustert bereits längere Zeit für meine Arbeit nutzte, sagte ich ihr, dass ich nicht wüsste, ob wir sie auch verkaufen könnten. Ich hatte so eine Ahnung, ein Gefühl, aber nichts Konkretes. Ich erläuterte ihr das Konzept dahinter, und sie hörte mir ehrlich interessiert zu. Auch das ist nicht selbstverständlich. Es entstand die Idee, ein Kartenset zu veröffentlichen, vielleicht nur in kleiner Menge für Interessierte, und ich könnte ein Booklet schreiben, mit Erklärungen und Ideen, wie man es im Schulalltag verwenden kann. Zusätzlich zum Kartenset wollten wir ein Poster anbieten. Aber geht das überhaupt? Wird das nicht alles zu teuer? Ein Kartenset, ein Booklet, Arbeitshilfen zum Download und ein Poster – das sind viele verschiedene Formate. Aber gut, wir wollten es zumindest versuchen.
Nach einigen Mails und Gesprächen meinte Frau Sonnenberg, dass wir daraus etwas Größeres machen könnten, und sie schlug vor, Sabrina Haja von der Literaturagentur Tatwort anzusprechen, ob sie sich unser Konzept anhören und uns vielleicht vertreten könnte. Gesagt, getan. Wir vereinbarten einen Online-Termin zu dritt. Sabrina Haja stellte Nachfragen, ich erzählte, und trotz Aufregung fand ich die richtigen Worte. Ich berichtete von den Chancen und Möglichkeiten des Konzepts: wie man mit den Kindern in Verbindung kommen kann, wenn man auf ihre Gefühle und Bedürfnisse eingeht; was ich in meiner eigenen Arbeit erlebt habe; welche Zusatzausbildungen ich gemacht habe und so weiter. Frau Sonnenberg erklärte, wie das grafisch umgesetzt werden könnte. Am Ende des Gesprächs sagte Sabrina Haja: „Ich kann mir eine Zusammenarbeit gut vorstellen.“ Da war sie, die Perspektive, die Aussicht auf etwas Großartiges.
Ich bin eher der ängstliche Typ, der „Was-wäre-wenn“-Typ. In diesem Fall habe ich mir jedoch gesagt: „Ich gehe Schritt für Schritt mit, und je nach Situation reagiere ich im Moment.“ Ich wollte nicht im Vorfeld schon sagen, dass etwas Schlimmes passieren könnte, und es deshalb gar nicht erst versuchen. Zwei Menschen, die mich kaum kannten und nur aufgrund unserer Gespräche Vertrauen in mich setzten, haben mich tatsächlich immer wieder bestärkt. Es kamen keine zweifelnden Nachfragen, sondern stets ermutigende Impulse. So wuchs langsam auch mein Vertrauen in mich selbst – mit einigen Höhen und Tiefen.
Im Herbst 2023 kam dann die Zusage vom Herder-Pädagogik Verlag. Wahnsinn! Aber sie wollten kein Kartenset, sondern nur ein Buch. Das war eigentlich nicht das, was wir ursprünglich wollten. Nach einigen Gesprächen mit dem Verlag, Sabrina Haja und uns beiden kam es jedoch genauso, wie wir es uns gewünscht hatten – und sogar noch mehr!
Der Verlag ließ sich auf alles ein und wollte kein Booklet, sondern ein Buch. Somit standen nun mehrere Produkte auf dem Plan: ein Buch, ein gefaltetes Poster, Arbeitshilfen und ein Kartenset, das es extra zu kaufen gibt. Wir haben gerechnet, Formate für Karten und Poster ausgewählt und vieles mehr.
Ich musste gut überlegen, ob ich es zeitlich schaffen würde, ein Buch zu schreiben und das Kartenset zu verschriftlichen. Inhaltlich war ich gut aufgestellt, aber die Zeit? Diese Chance wollte ich auf keinen Fall verpassen. Trotz meines Lehrerberufs, meiner drei lieben Kinder und sämtlicher anderer Alltagsverpflichtungen habe ich es zusammen mit Frau Sonnenberg gewagt.
Und nun hatte ich eben die fast letzte Besprechung mit meiner unfassbar lieben Lektorin. Ich habe das Buch im Satz gesehen, das fertige Poster, die Karten – es ist unfassbar! Und alles, was ich empfinde, ist große Dankbarkeit. Dankbar für die Menschen, die mich unterstützt haben, dankbar für diese Möglichkeit und auch dankbar dafür, dass ich mir vertraut habe.